Aspekte einer Ankaufspolitik

(IE) Es lohnt sich "Das Verzeichnis der von der Gemeinde Bern 1960-65 angekauften Kunstwerke" zu studieren. In diesen fünf Jahren hat die Gemeinde von 66 Künstlern und 30 Künstlerinnen insgesamt 131 Werke für Fr. 138'755.- angekauft. Auf die Künstlerinnen entfielen dabei 45 Werke für Fr. 41'760.-. Eigentlich eine recht positive Bilanz, im Verhältnis von zwei zu einem Drittel sowohl bei den Künstlern / Künstlerinnen wie bei der Anzahl Werke und ihrem Wert. Das teuerste angekaufte Einzelobjekt war ein Wandteppich von Verena Jaggi. Beim Studium der Liste fällt besonders auch die Tatsache auf, dass von den 30 Künstlerinnen, mit zwei Ausnahmen, alle Mitglieder der SGBK, damals GSMB+K waren. Man musste Mitglied sein, um angekauft zu werden. GSMB+K stand für Qualität, war ein Gütesiegel, auf das die Behörden vertrauten.

Wer hat die Werke zum Ankauf empfohlen? Im September 1929 hiess der Stadtrat einen Fonds zur Förderung der Maler- und Bildhauerkunst in der Stadt Bern gut. Ein Betrag von Fr. 40'000.- wurde ausgeschieden, dessen Zinsen für die Kunstförderung eingesetzt werden sollten. Das Geld wurde aus der Rückerstattung des der SAFFA, Schweiz. Ausstellung für Frauenarbeit, Bern 1928, gewährten städtischen Garantiebeitrages frei. Das heisst, die SAFFA-Frauen hatten so gut gearbeitet, dass sie die Defizitdeckungsgarantie nicht benötigten. Grossartig!

Und die Idee, dieses Geld nun für Kunst und Kultur zu verwenden, war weitsichtig. Man denkt sofort, in dem neuen Städtischen Kunstausschuss werde gewiss eine Frau vertreten sein, haben die Frauen doch die finanzielle Grundlage geliefert. Weit gefehlt. In dem Ausschuss, der sich 1932 erstmals konstituierte, waren neben dem Finanzdirektor, dem Stadtbaumeister, dem Architekten Karls Indermühle (Initiant des Fonds) nur der Bildhauer Robert Schmitz und der Maler Leo Steck, Präsident der GSMBA vertreten.

1934 richtete Susanne Schwob, Sektionspräsidentin, ein Schreiben an die Kommission, in dem sie die Bitte wiederholte, die schon 1929 und 1932 formuliert worden war, einer Künstlerin Sitz im Ausschuss zu gewähren. Die Bitte wurde abgelehnt mit der Begründung, man könne das Reglement nicht kurz nach Inkrafttreten ändern. Über 30 Jahre mussten die Frauen Vorstösse wiederholen und warten bis 1966 der Antrag von Rena Hubacher angenommen wurde und Judith Müller erste Vertreterin der Künstlerinnen in der Kunstkommission wurde.

Die Herren haben also lieber Kunst von Frauen gekauft (ist ja so schön für die Büros der Beamten) als ihre Entscheidungsgewalt mit ihnen zu teilen.

Kunst im Dienste der Stadt - Verdienste der Stadt um die Kunst, Kunstförderung der Stadt Bern 1989