Dora Fanny Rittmeyer

Fräulein Doktor honoris causa

(IE) In den Jahren zwischen 1925 und 1935 war Dora Fanny Rittmeyer (1892 - 1966) Mitglied der Sektion Zürich der GSMB. Sie war als Tochter von Ludwig Rittmeyer in Sankt Gallen zur Welt gekommen und erwarb in ihrer Heimatstadt und in Genf das Diplom für Volksschul- und Französisch-Unterricht. Doch strebte sie der bildenden Kunst zu und hielt das textile Kunstgewerbe für sich am ehesten erreichbar. Sie konnte sich auf Vorbilder in ihrer Familie berufen: Architekten, Textilindustrielle, Maler und Malerinnen. So durfte sie sich nach dem Lehrerinnendiplom an der Kunstgewerbeschule Sankt Gallen und an der Wilhelm-von-Debschitz-Schule in München ausbilden. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete sie in verschiedenen Kunsthandwerken und als Kleinkindererzieherin. Der Eintritt, 1923, in eine Werkstatt für Kirchengoldschmiedekunst sollte ihren zukünftigen Weg bestimmen. In diesem Umfeld begann sie sich für Kunstgeschichte und das geschichtliche Werden der Metallkünste zu interessieren.

1928 riet ihr ihr väterlicher Freund, Prälat Dr. Fäh, das sanktgallische Goldschmiedehandwerk zum Gegenstand ihrer Studien zu machen, was sie mit Fleiss, Treue, Findigkeit, Liebe zum Schönen und Verständnis für alles Handwerklich-Materielle bis zum Ende ihrer Kräfte auch getan hat. Die Bibliographie von Dora Fanny Rittmeyer zu interessanten Fragen der Goldschmiedekunst umfasst mehr als hundert wissenschaftliche Beiträge. Für dieses beispielhafte Wirken erhielt sie auf Antrag der Professoren Dr. Hans R. Hahnloser und Dr. W. Naef 1943 die Würde eines Doktors honoris causa der Universität Bern.

(nach Albert Knoepfli, Dora Fanny Rittmeyer, in Unsere Kunstdenkmäler, 1966, S.19ff. und Georg Germann und Irma Hohler, Bibliographie Dora Fanny Rittmeyer, ZAK 24, 1965/66, S.179-185)