Gertrud Merz

Eine späte Berufung

(IE) Gertrud Merz (1896 - 1987) wurde als ältestes von sechs Kindern des Fürsprechers und Regierungsrates Leo Merz und seiner Frau Frieda Lanzrein in Thun geboren. Nach der Schulzeit in Bern und dem Welschlandjahr liess sie sich am Inselspital zur Röntgenassistentin ausbilden. Danach wirkte sie viele Jahre als Delegierte und Mitarbeiterin des Schweiz. Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen im Ausland. Erst während ihrer Arbeit in der Flüchtlingsfürsorge in Berlin (1958 - 1967) - sie ist bereits 62 Jahre alt - besuchte sie die Abendkurse in Malerei bei Professor Sym und erhielt Unterricht vom Berliner Maler Hans Laabs, dem sie ihr Leben lang freundschaftlich verbunden blieb.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz lebte sie in Ascona und Bern, wo sie sich an der Kunstgewerbeschule weiterbildete und 1965 Mitglied der gsmba und 1967 der SGBK wurde. Im Tessiner Künstlerkreis erhielt sie Anregungen von Julius Bissier und Italo Valenti.

Bereits 1965 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Anlikerkeller in Bern. Während 20 Jahren, von etwa 1965 - 1985 gehörte Gertrud Merz zur Berner Kunstszene. Dank ihren internationalen Beziehungen aus der Zeit ihrer sozialen Tätigkeit konnte sie auch in Berlin, New York und Lissabon ausstellen.

Gertrud Merz war Collagistin mit ausgeprägtem Gefühl für Formen, Farben und Stoffe. Ihre Collagen bringen das spannungsvolle Zusammenwirken einer gemalten Illusion mit einer collagierten Realität perfekt zum Ausdruck. Es sind keine fixierten Aussagen, eher Visionen, entstanden während dem Spiel mit den Materialien. Dieses Spiel ist gekonnt, die Kompositionen ruhen in Harmonie, die Farben sind von stimmungsvoller Transparenz.

«Vieille dame pleine de noblesse et de courtoisie comme on sait l'être dans certains milieux bernois, elle poursuit aujourd'hui encore ses recherches et prolonge ses découvertes, sans égard pour le temps qui passe? » Auszug aus dem Katalog der Galerie Farel in Aigle 1982.

Die SGBK organisierte 1987 in ihrer Berner Galerie die Nachlassausstellung, deren Erlös im Sinne der Künstlerin dem Sozialfond der SGBK zugute gekommen ist.

Der künstlerische Nachlass von Gertrud Merz wird heute von der Gesellschaft zur Nachlassverwaltung Schweiz. Bildender Künstlerinnen (Präsidentin: Inga Vatter-Jensen, Bern) verwaltet.